Heimische Wirtschaft stagnierte im III. Quartal 2022

28.10.2022

Schnellschätzung des WIFO

Gemäß der aktuellen Schnellschätzung des WIFO stagnierte die österreichische Wirtschaftsleistung im III. Quartal 2022 (–0,1% gegenüber dem Vorquartal). Damit schlug sich die bislang nur in den Unternehmensumfragen zum Ausdruck gekommene negative Stimmung erstmals auch in den Wirtschaftsdaten nieder. Der Abschwung der internationalen Wirtschaft ließ den heimischen Export im Vorquartalsvergleich schrumpfen. Dies zog einen Einbruch der heimischen Sachgüterproduktion nach sich. Verglichen mit dem gleichen Quartal im Vorjahr war noch ein Anstieg des BIP um real +1,8% festzustellen.

Gemäß ersten Berechnungen reduzierte sich das BIP im III. Quartal 2022 preisbereinigt um 0,1% (II. Quartal 2022 +1,9%) gegenüber der Vorperiode (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe). Verglichen mit dem gleichen Quartal im Vorjahr war ein Anstieg des BIP um real +1,8% festzustellen. Dieser fiel jedoch nach Zuwächsen von 8,6% und 6,2% in den ersten beiden Quartalen 2022, wo noch positive Basiseffekte auslaufender gesundheitspolitischer Maßnahmen enthalten waren, deutlich geringer aus.

Nachdem der Export im 1. Halbjahr 2022 der heimischen Wirtschaft noch kräftige Impulse verliehen hatte, schrumpfte der preisbereinigte Wert im III. Quartal um 3,5% gegenüber der Vorperiode. Im gleichen Zeitraum verringerte sich auch die Investitionsnachfrage (–0,3%). Vom Konsum der privaten Haushalte gingen hingegen positive Wachstumsimpulse aus. Dieser erhöhte sich um 0,6% gegenüber dem Vorquartal. Der Konsum der öffentlichen Haushalte stagnierte.

Das Nachlassen der Exportnachfrage fand in der heimischen Sachgüterproduktion seinen Niederschlag. Die Wertschöpfung des dieser Branche zugehörigen Wirtschaftsbereiches verringerte sich im III. Quartal um real 1,4%, nachdem sie im II. Quartal noch kräftig expandierte (+1,8%). Der Bereich "Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie" erfuhr ebenfalls einen leichten Rückgang seiner Wertschöpfung.

Stabilisierend wirkte sich die Produktion der öffentlichen Verwaltung (+0,7), des Bauwesens (+0,2%) und der sonstigen Dienstleistungen aus (+0,1%).

Wichtige Information

Die WIFO-Schnellschätzung ist eine erste Schätzung für das vergangene Quartal. Sie baut auf die Quartalsrechnung von Statistik Austria auf und umfasst das BIP sowie Komponenten in der Form von saison- und arbeitstagsbereinigten Veränderungsraten gegenüber dem Vorquartal (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe).

Am 5. Dezember 2022 werden von Statistik Austria die Quartalsdaten für das BIP und Hauptaggregate für das III. Quartal 2022 auf Basis vollständigerer Daten veröffentlicht.

 
 

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Mag. Dr. Marcus Scheiblecker

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik

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© Pete Wright/Unsplash
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