Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein System für die Berechnung der wöchentlichen und monatlichen realwirtschaftlichen Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft. Dafür wird ein "mixed-frequency"-Ansatz mit wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Indikatoren verwendet, um die Wochen- und Monatswerte für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Entstehungsseite 10) zu schätzen. Im WWWI-System werden für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet und auf der Basis von dynamischen Faktormodellen in einer Zustandsraumdarstellung mit dem Kalman-Filter geschätzt.


Methodenbeschreibung

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) ist ein Berechnungssystem, um die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis zu berechnen. Neben den wöchentlichen und monatlichen Indikatoren für das BIP werden jeweils zehn Teilaggregate der Entstehungsseite und acht Teilaggregate der Verwendungsseite auf Basis der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung geschätzt. Der WWWI wird durch die Summe der Wachstumsbeiträge der Teilindikatoren auf der Entstehungsseite ermittelt, welche vollständig abgebildet sind, wohingegen die Verwendungsseite eine Restgröße aufweist, die den gemeinsamen Beitrag der Vorratsveränderungen und des Handelsbilanzsaldos mit nichttouristischen Dienstleistungen widerspiegelt.

Für jeden wöchentlichen Teilindikator werden zwei Typen von ökonometrischen Modellen geschätzt: Erstens, zeitliche Disaggregationsmodelle zur historischen Zerlegung bereits veröffentlichter Monats- und Quartalsdaten auf wöchentliche Frequenz und zweitens, ein "Nowcasting"-Modell für die Prognose der Wochenwerte am aktuellen Rand auf Basis der geschätzten historischen wöchentlichen BIP-Teilaggregate und beobachteter wöchentlicher Indikatoren. Letztere umfassen u. a. bargeldlose Transaktionen, Gütertransportleistungen, Aufkommen an Passagierflügen, Google-Mobilitätsdaten, arbeitslos gemeldete Personen, Stromverbrauch und Schadstoffemissionen der Industrie, sowie internationale wöchentliche Indikatoren zur Wirtschaftsaktivität.

Die geschätzten Disaggregationsmodelle werden als dynamische Faktormodelle in einer Zustandsraumdarstellung formuliert und als Prognose unbeobachteter wöchentlicher Werte einer vierteljährlichen oder monatlichen Zeitreihe umgewandelt, indem diese als fehlende Daten behandelt und mit dem Kalman-Filter geschätzt werden.

Sämtliche Modelle werden nach jeder Veröffentlichung neuer Daten zur vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aktualisiert und bleiben somit immer mit der aktuellen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung konsistent. Einige Modelle werden zusätzlich nach der Veröffentlichung relevanter monatlicher Daten überarbeitet, was ebenfalls zu einer Revision des WWWI führen kann.

 

Publikationen

Sandra Bilek-Steindl, Julia Bock-Schappelwein, Christian Glocker, Serguei Kaniovski (WIFO), Sebastian Koch, Richard Sellner (IHS)
Hochfrequente Konjunkturbeobachtung (High-frequency Business Cycle Monitoring)
Monographien, Oktober 2020, 75 Seiten
Auftraggeber: Bundesministerium für Finanzen
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung – Institut für Höhere Studien
Online seit: 23.10.2020 0:00
 
In dieser Studie wird eine große Zahl hochfrequenter Indikatoren gesammelt und hinsichtlich ihres Informationsgehaltes im Hinblick auf die Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft analysiert. Dies geschieht anhand von Kreuzkorrelationen dieser und anderer häufig verwendeter Indikatoren für verschiedene Referenzreihen, u. a. für das BIP, das verarbeitende Gewerbe, den Bausektor, Teile des Dienstleistungssektors, Investitionen, Konsum, Importe und Exporte. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden dynamische Faktormodelle (DFM) für die Referenzreihen spezifiziert. Dies ermöglicht eine Echtzeiteinschätzung und eine Prognose des BIP sowohl durch einen direkten (wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex – WWWI) als auch durch einen indirekten Ansatz (Cluster dynamischer Faktormodelle – CDFM). Eine Auswahl an hochfrequenten Indikatoren ist auch über den IHS Economic High-Frequency Monitor abrufbar.