Kurz- und mittelfristige Prognosen

Das WIFO erstellt vierteljährlich eine Konjunkturprognose für das laufende und das nächste Jahr, in die die Fachkompetenz aller Forschungsbereiche einfließt. Die Prognosen geben jeweils aus aktueller Sicht das unter den gegebenen Annahmen wahrscheinlichste Szenario für das Wirtschaftswachstum wieder und gehen auf mögliche Risiken der Einschätzung ein. Jährlich wird zudem eine mittelfristige Prognose für Österreich und die Weltwirtschaft über einen fünfjährigen Prognosehorizont erstellt und nach Ablauf eines halben Jahres aktualisiert.

 

Mittelfristige Prognose

Publikationen

Ukraine-Krieg trübt die mittelfristigen Wirtschaftsaussichten. Update der mittelfristigen Prognose 2022 bis 2026 (The War in Ukraine Clouds Medium-term Economic Outlook. Update of the Medium-term Forecast of the Austrian Economy 2022 to 2026)
WIFO-Monatsberichte, 2022, 95(4), S.233-245
Online seit: 09.05.2022 0:00
 
Die österreichische Wirtschaft erholte sich 2021 spürbar von der COVID-19-Krise. Infolge des Ukraine-Krieges und der Omikron-Welle der COVID-19-Pandemie fallen die Wachstumsaussichten für 2022 (+3,9%) jedoch um 1 Prozentpunkt schwächer aus als noch letzten Herbst erwartet. Getragen von den internationalen Entwicklungen schwächt sich das BIP-Wachstum bis 2026 auf das mittelfristige Trendwachstum von rund 1½% ab (Ø 2022/2026 +2,1% p. a., Ø 2010/2019 +1,5% p. a.). Trotz dieser markanten Abschwächung bewirkt die durch den demografischen Wandel ausgelöste, zunehmende Arbeitskräfteknappheit im Prognosezeitraum einen merklichen Rückgang der Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote erreicht bereits 2022 das Vorkrisenniveau und wird 2026 voraussichtlich bei 6% liegen. Die Omikron-Welle in China und vor allem der Ukraine-Krieg verstärken und verlängern den bereits seit 2021 auf den internationalen Märkten beobachteten kräftigen Preisauftrieb. Getragen wird er vor allem von stark steigenden Energie-, Rohstoff- und Vorproduktpreisen sowie einem markanten Anstieg der Transportkosten aufgrund von Kapazitätsengpässen und daraus resultierenden Lieferverzögerungen. In Österreich werden die Verbraucherpreise 2022 um knapp 6% und 2023 um 3¼% steigen. Die Inflationsrate dürfte jedoch auch in der mittleren Frist zumindest ¼ Prozentpunkt über dem 2%-Zielwert der EZB liegen. Obwohl heuer zusätzliche Ausgaben getätigt werden, um die Kaufkraftverluste infolge der hohen Inflation abzufedern und die Versorgung von Flüchtlingen aus der Ukraine sicherzustellen, liegt die für 2022 prognostizierte Defizitquote gegenüber der mittelfristigen Einschätzung vom Oktober 2021 (einschließlich Steuerreform) unverändert bei 2,4% des nominellen BIP. Dies ist auf einen inflationsbedingten Anstieg der Einnahmen zurückzuführen. Bis 2026 dürfte die Budgetdefizitquote auf 0,4% des BIP sinken.
Starker privater Konsum treibt das Wirtschaftswachstum. Mittelfristige Prognose 2022 bis 2026 unter Berücksichtigung der Steuerreform 2022/2024 (Strong Private Consumption Spurs Economic Growth. Medium-term Forecast of the Austrian Economy 2022 to 2026 including the tax reform 2022-2024)
WIFO-Monatsberichte, 2021, 94(10), S.711-736
Online seit: 09.11.2021 0:00
 
Die österreichische Wirtschaft wird sich nach der COVID-19-Rezession rasch erholen. Getragen wird dies von einer günstigen Entwicklung der Weltwirtschaft (2022) und fiskalpolitische Maßnahmen wie dem Investitionsbonus und der Steuerreform, wodurch die inländische Nachfrage an Bedeutung gewinnt. Das Wirtschaftswachstum beträgt 2022 5,0% und schwächt sich bis 2026 durch die Abkühlung der internationalen Konjunktur auf 1,8% ab (Ø 2022/2026 +2,6% p. a.). Im Vergleich zum Euro-Raum fällt der BIP-Zuwachs in Österreich um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr höher aus. Der Trendoutput wächst im Prognosezeitraum um jährlich 1,5% (WIFO-Methode). Der private Konsum nimmt um kräftige 3,1% p. a. zu (real, 2022 +6,4%) und profitiert dabei von einem 2020/21 angehäuften "Sparpolster" und der Entlastung durch die Steuerreform. Die Investitionen werden 2022 noch von Vorzieheffekten durch die Investitionsprämie gestützt, verlieren jedoch 2023 an Schwung. Ab 2024 beleben der Investitionsfreibetrag und die Körperschaftsteuersenkung die Investitionen. Der Außenhandel entwickelt sich 2022 sehr dynamisch (Exporte +8,9%, Importe +8,3%), was dem verzögerten Rebound im Reiseverkehr geschuldet ist. Die rasche Erholung bedingt auch einen starken Rückgang der Arbeitslosigkeit: die Arbeitslosenquote wird mit 7,3% 2022 das Vorkrisenniveau unterschreiten und 2026 6,1% betragen. Die dynamische internationale Konjunktur, Angebotsknappheiten, das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung in einigen Branchen und die CO2-Bepreisung bewirken einen Anstieg der Inflationsrate auf 3,1% im Jahr 2022 (Ø 2023/2026 +2,1% p. a.). Das Budgetdefizit sinkt von 6,3% 2021 auf 2,4% im Jahr 2022 und beträgt 2026 0,4% des BIP. Die Budgetdefizitquote erhöht sich durch die Steuerreform um durchschnittlich 0,6 Prozentpunkte p. a.
 


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