Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

23.01.2024

WWWI: 49. Kalenderwoche 2023 bis 2. Kalenderwoche 2024

Die wirtschaftliche Aktivität auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) ging im Dezember 2023 (Kalenderwochen 49 bis 52, 4. bis 31. Dezember) um 1¾% und in der 1. Jännerhälfte 2024 (Kalenderwochen 1 und 2, 1. bis 14. Jänner) um ¾% gegenüber dem Vorjahr zurück.
Information zur Veröffentlichung des WWWI: Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex wird künftig monatlich auf der Website des WIFO veröffentlicht.

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt im Dezember und in der 1. Jännerhälfte für die Nachfrage nach Gütern (Einzelhandelsumsätze) einen deutlichen und für die Dienstleistungen einen etwas geringeren Rückgang gegenüber dem Vorjahr an. Für den privaten Konsum wird im Vorjahresvergleich im Dezember ein Rückgang um ¼% und Anfang Jänner um ¾% erwartet (November 2023 –1%, revidiert)1).

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der Wirtschaftsleistung (Industrieproduktion) und der Stimmung im produzierenden Bereich (gemäß WIFO-Konjunkturtest) determiniert. Im Dezember wird der Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf 2¾% geschätzt (November 2023 –2½%).

Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sanken die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Schienengüterverkehrsaufkommen im Dezember und Anfang Jänner neuerlich. Demgegenüber nahm die Zahl der abgefertigten Flüge auf dem Flughafen Wien weiter zu. Während die Exporte insgesamt aufgrund nach wie vor zunehmender Warenexporte nur leicht schrumpften, gingen die Importe bei gleichzeitig sinkenden Waren- und Dienstleistungsimporten stärker zurück. Der geschätzte Wachstumsbeitrag der Nettoexporte i. w. S. zum BIP war daher im Dezember mit +¾ Prozentpunkte und in der 1. Jännerhälfte mit +1 Prozentpunkt positiv (November 2023 +1¾ Prozentpunkte).

Die schwache Entwicklung im Gütertransportwesen schlägt sich auch in der Wertschöpfung des Bereichs Verkehr (ÖNACE H) nieder. Sie blieb im Dezember mit –4¾% und in der 1. Jännerhälfte mit –6¾% unter dem Vorjahresniveau (November 2023 –5¼%).

Die Zahl arbeitssuchender Personen lag im Dezember im produzierenden Bereich im langjährigen Vergleich zwar noch weiter auf einem niedrigen Niveau, sie steigt aber seit April 2023 im Vorjahresvergleich zunehmend an. Anfang Jänner bewegte sie sich in etwa auf dem Niveau von Jahresbeginn 2020. Im WIFO-Konjunkturtest zeigt sich sowohl hinsichtlich der Einschätzungen der aktuellen Lage als auch der Erwartungen für die kommenden Monate weiterhin eine überwiegend pessimistische Stimmung unter den sachgütererzeugenden Unternehmen. Das WIFO erwartet im Vergleich zum Vorjahr im güterproduzierenden Bereich (ÖNACE A bis E) im Dezember eine um 4% geringere Wertschöpfung (November 2023 –3¾%).

Auch die Stimmung der Bauunternehmen bleibt gemäß WIFO-Konjunkturtest auf unterdurchschnittlichem Niveau. Die Zahl arbeitslos gemeldeter Personen im Bauwesen nimmt seit einem dreiviertel Jahr merklich zu. Für die Bauwirtschaft (ÖNACE F) wird im Dezember mit einem Rückgang der Wertschöpfung um 1½% gegenüber dem Vorjahr gerechnet (1. Jännerhälfte 2024 –1¼%, November 2023 –3½%).

Basierend auf bargeldlosen Transaktionen im Bereich Restaurants und Hotels, den Stimmungsindikatoren aus dem WIFO-Konjunkturtest und Online-Suchanfragen von Gästen aus dem Ausland wird die Wertschöpfung im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) im Dezember um 1¼% und Anfang Jänner um 1¾% niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum geschätzt (November –1¾%). Im Handel (ÖNACE G) blieb die Wertschöpfung im Dezember um 3% unter dem Vorjahresniveau (1. Jännerhälfte 2024 –3¼%, November 2023 –2½%).

Auf Basis der Indikatoren zur aktuellen Lage und den Erwartungen aus dem WIFO-Konjunkturtest, der aktuellen Beschäftigungssituation sowie der Entwicklung in der Sachgütererzeugung bleibt die Dynamik der übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) gedämpft: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Wertschöpfung im November und Dezember um ½% zurück und stagnierte in der 1. Jännerhälfte. Für die sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird auf Grundlage der preisbereinigten bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens im Dezember und der 1. Jännerhälfte mit einem Anstieg der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 2¾% gerechnet (November 2023 +4½%.



1)  Die Berücksichtigung neu veröffentlichter Monatsdaten, die bei der Schätzung des WWWI erfüllt werden müssen, führte zu einer Revision des WWWI (November 2023 –½ Prozentpunkt). Zu nennenswerten entstehungsseitigen Abwärtsrevisionen kam es im November insbesondere in den Bereichen Güterproduktion (ÖNACE A bis E), Bauwesen (ÖNACE F) und übrige Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N), eine Aufwärtsrevision gab es im Handel (ÖNACE G).



 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) monatlich aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsgruppe: Makroökonomie und öffentliche Finanzen
© Alexander Müller
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