Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) 14-tägig aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

 

Aktueller Index

Veröffentlichung vom 27. 9. 2022

Das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr auf der Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) wird für die erste Septemberhälfte 2022 (Kalenderwochen 35 bis 37, 29. August bis 18. September) auf +1,7%, um 0,3 Prozentpunkte höher als im August (Kalenderwochen 31 bis 34), geschätzt.
 

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt in der ersten Septemberhälfte einen weiteren Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Google-Mobilitätsindikatoren für Handel und Freizeit deuten nach wie vor auf eine Seitwärtsbewegung hin. Die realen privaten Konsumausgaben lagen in den Kalenderwochen 35 bis 37 um 4% über dem Vorjahresniveau (August +2,7%). Der Zuwachs wird weiterhin von einer Zunahme der Dienstleistungs- und Güternachfrage (letztere gemessen an den Einzelhandelsumsätzen) getragen. Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen entspricht der Dynamik in der Sachgütererzeugung (siehe unten); sie schrumpften in der ersten Septemberhälfte um 1,7% gegenüber dem Vorjahr.
 
Die Wachstumsdynamik der wichtigsten Handelspartner (gemäß den Indikatoren des wöchentlichen GDP-Trackers der OECD für den Euro-Raum und die MOEL 5) entwickelte sich am aktuellen Rand (den ersten drei Septemberwochen) heterogen. In den MOEL 5 fiel das Wirtschaftswachstum zuletzt kräftiger aus als in den Vormonaten. Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen, das Güteraufkommen auf der Schiene und die abgehenden Frachtflüge nahmen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zu. Zugleich wurden Anfang September erneut mehr Starts und Landungen von Passagierflügen am Flughafen Wien und mehr in- und ausländische Google-Suchen nach Unterkünften in Österreich verzeichnet als im Vorjahr. Die inflationsbereinigten bargeldlosen Transaktionen ausländischer Gäste in Österreich und heimischer Reisender im Ausland stiegen Anfang September im Vorjahresvergleich. Aus dem Zusammenspiel dieser Einflussfaktoren und einer geringfügigen Ausweitung der Importe ergibt sich ein noch leicht positiver Wachstumsbeitrag der Nettoexporte i. w. S. zum BIP im Ausmaß von voraussichtlich 0,1 Prozentpunkt (August +0,2 Prozentpunkte).
 
Neben der positiven Entwicklung des gesamten Gütertransportes verbesserten sich in der ersten Septemberhälfte auch die Google-Mobilitätsindikatoren im Bereich Verkehr ("transit stations") weiter. Für die Wertschöpfung im Verkehrssektor (ÖNACE H) wird daher ein Zuwachs von rund 8¾% gegenüber dem Vorjahresniveau erwartet.
 
Die Indikatoren für die Industrieproduktion deuten Anfang September auf eine weitere Konjunkturabschwächung hin. Der temperaturbereinigte Stromverbrauch und die Stickstoffdioxid-Emissionen in der Nähe von Industrieanlagen gingen im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Zahl der arbeitssuchenden Personen, die seit Juli im Vorwochenvergleich wieder gestiegen war, nahm Anfang September der Saison entsprechend ab. Im Vergleich zum Vorjahr liegt sie nach wie vor auf einem äußerst niedrigen Niveau. Die Einschätzungen der Sachgütererzeuger zur aktuellen Lage und die kurzfristigen Geschäftserwartungen trübten sich allerdings weiter ein (laut WIFO-Konjunkturtest); der Erwartungsindex sank sogar unter die Nulllinie, was ein Überwiegen pessimistischer Einschätzungen anzeigt. Für die erste Septemberhälfte erwartet das WIFO einen Rückgang der Wertschöpfung im produzierenden Bereich (Primärproduktion, Sachgütererzeugung, Energiewirtschaft, Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung – ÖNACE A bis E) um 0,4% gegenüber dem Vorjahr.
 
In der Bauwirtschaft (ÖNACE F) war die Zahl der arbeitssuchend gemeldeten Personen in der ersten Septemberhälfte etwas höher als im Durchschnitt des Vormonats, blieb aber weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage und die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate verschlechterten sich zwar weiter, lagen aber noch deutlich im expansiven Bereich. Für die ersten Septemberwochen wird mit einem leichten Anstieg der Wertschöpfung im Bauwesen von 0,2% im Vergleich zum Vorjahr gerechnet.
 
Auch im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) wurde die wirtschaftliche Lage in den letzten drei Monaten zuletzt merklich schlechter eingeschätzt als bisher; der Ausblick auf die nächsten Monate fiel erneut mehrheitlich pessimistisch aus. Die Volumina der inflationsbereinigten bargeldlosen Transaktionen in der Gastronomie und Hotellerie zeigen Anfang September einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der arbeitssuchend gemeldeten Personen nahm gegenüber dem Vormonat zu, liegt aber nach wie vor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Für die erste Septemberhälfte wird mit einer um 4,5% geringeren Anzahl an Gästenächtigungen in Österreich gerechnet als im Vorjahr– gegenüber September 2019 (Vorkrisenniveau) dürfte der Rückgang 12,9% betragen. Die Wertschöpfung im Tourismus wird um voraussichtlich 2,8% höher ausfallen als im Vorjahr.
 
Die Wertschöpfung im Handel (ÖNACE G) dürfte auf Basis der inflationsbereinigten bargeldlosen Umsätze im Einzelhandel um 1,2% unter dem Vorjahresniveau liegen. Für die restlichen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) lassen der Arbeitslosigkeitsrückgang und die BIP-Entwicklung eine weiterhin günstige Dynamik erwarten. Die Wertschöpfung stieg in den ersten drei Septemberwochen um voraussichtlich 1,7% gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich der sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird auf Grundlage der preisbereinigten bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens und der Google-Mobilität für Handel und Freizeit Anfang September mit einem Wertschöpfungszuwachs von 1,7% gegenüber dem Vorjahr gerechnet.
 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 

 

Ansprechpersonen