Konjunkturelle Schwäche im Einzelhandel setzt sich fort, Ausblick etwas besser

25.10.2023

Konjunkturreport Einzelhandel im Auftrag des Handelsverbandes

"In den Sommermonaten bis einschließlich September hat sich der schwache Geschäftsgang wie auch das pessimistische Stimmungsbild der heimischen Einzelhändler weiter verfestigt. Zuletzt zeigen jedoch Umfragen, dass eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erfolgt sein dürfte. Auch lassen steigende real verfügbare Haushaltseinkommen für 2024 eine höhere Konsumnachfrage erwarten", so WIFO-Ökonom Jürgen Bierbaumer.

Die heimische Wirtschaft befindet sich in einer Schwächephase. Gemäß aktuellen Berechnungen des Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) dürfte sich der Rückgang aktuell fortgesetzt haben. Im September 2023 lag die wirtschaftliche Aktivität um 1,5% unter dem Vorjahr, in der ersten Oktoberhälfte ging sie um ¾% zurück.

Im Einzelhandel fiel der Geschäftsgang in den Monaten Juli (nominell +5,3%, real ±0,0% gegenüber dem Vorjahr) und August 2023 (nominell +3,3%, real –2,6%) abermals gedämpft aus. Vor allem im Nichtnahrungsmittelbereich war die Umsatzentwicklung erneut schwach.

Die Inflation ging zuletzt weiter zurück und lag im September bei 6% (August: 7,4%). Vor allem in den Bereichen Restaurants und Hotels sowie Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke war der Preisanstieg weiterhin auf hohem Niveau. Mit 5,7% lag der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) erneut über dem Durchschnitt des Euro Raums (4,3%).

Die Stimmung der österreichischen Einzelhandelsunternehmen hat sich – wie in der Gesamtwirtschaft auch – in den letzten Monaten weiter verschlechtert. In der aktuellen Befragung hat sich der Pessimismus im Einzelhandel noch verstärkt (September –16,8 Punkte, August –14,8 Punkte). Die in Umfragen zum Ausdruck gekommene Verschlechterung im Stimmungsbild der Einzelhandelsunternehmen betrifft nicht nur die aktuelle Lagebeurteilung, sondern auch die Erwartung für die kommenden Monate.

Eine Vorauswertung des WIFO-Konjunkturtests für den Monat Oktober deutet eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an. Der Index für den Einzelhandel steigt dabei leicht, signalisiert aber weiter eine sehr schwache Konjunktursituation.

Nachdem sich die Stimmung der heimischen Konsument:innen seit Herbst des Vorjahres schrittweise verbessert hat (Tiefpunkt Juli 2022 –33,5 Punkte), hat der Index in den letzten beiden Befragungen wieder leicht nachgelassen (September –24,9 Punkte).

Bei real stagnierenden verfügbaren Einkommen infolge der hohen Inflation werden im Jahr 2023 vom privaten Konsum nur geringe Wachstumsimpulse ausgehen (+0,8%). Für das Jahr 2024 wird im Zuge des Anstiegs des real verfügbaren Haushaltseinkommens wieder eine höhere Konsumnachfrage der privaten Haushalte erwartetet (+1,8%).

Der Bestand an unbesetzten Stellen im Einzelhandel ist weiterhin hoch, liegt aber bereits um 20,6% unter dem Niveau des Vorjahres. Aktuell können 14.041 offene Stellen (Gesamtwirtschaft 106.414) nicht zeitnah besetzt werden.

 

Publikationen

Studien, Oktober 2023, 23 Seiten
Auftraggeber: Handelsverband Österreich
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Online seit: 25.10.2023 0:00
 
Der Konjunkturreport Einzelhandel stellt einmal pro Quartal wesentliche Konjunkturinformationen für den Einzelhandel bzw. Handel insgesamt zusammen. Eine laufende Konjunkturbeobachtung und -berichterstattung ist von hoher Relevanz, um den Handelsbetrieben sowie der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Daten und Analysen liefern zu können. Der aktuelle Bericht zeigt, dass die Konjunkturschwäche im Einzelhandel anhält. Der Geschäftsgang fiel im Juli und August erneut gedämpft aus. Besonders im Nichtnahrungsmittelbereich war die Umsatzentwicklung zuletzt schwach. Auch Stimmungsindikatoren der Einzelhandelsunternehmen haben sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Eine Vorauswertung für den Monat Oktober zeigt jedoch eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an. Die pessimistischen Erwartungen der Konsument:innen hinsichtlich der allgemeinen wirtschaftlichen Lage belasten das Konsument:innenvertrauen und in weiterer Folge die private Konsumnachfrage, welche erst 2024, gestützt durch steigende reale Einkommen, wieder kräftiger steigen sollte.
Rückfragen an

Dr. Jürgen Bierbaumer, MA

Mag. Sandra Bilek-Steindl

Forschungsgruppe: Makroökonomie und öffentliche Finanzen
© The Nix Company/Unsplash
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