Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

10.08.2022

WWWI im Juli 2022: 27. bis 30. Kalenderwoche 2022

Das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr auf der Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) wird im Juli (Kalenderwochen 27 bis 30, 4. bis 31. Juli) mit +2,2% um rund 0,5 Prozentpunkte niedriger geschätzt als im Juni (Kalenderwochen 22 bis 26).

Information zur Veröffentlichung des WWWI: Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex wird künftig einmal im Monat auf der Website des WIFO veröffentlicht.

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt für Juli einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Diese Zunahme spiegelt sich auch in den Google-Mobilitätsindikatoren für Handel und Freizeit wider. Die realen privaten Konsumausgaben lagen im Juli um 0,9% über dem Vorjahresniveau. Der Zuwachs wird von einer stärkeren Dienstleistungsnachfrage getragen, der Konsum an Waren gemessen an den Einzelhandelsumsätzen – geschätzt mittels Indikatoren zu den bargeldlosen Umsätzen – geht im Vorjahresvergleich bereits seit Mai zurück.

Die Wachstumsdynamik der wichtigsten Handelspartner gemäß den Indikatoren des wöchentlichen GDP-Trackers der OECD für den Euro-Raum und die MOEL 5 schwächte sich am aktuellen Rand etwas ab, war im Juli jedoch nach wie vor deutlich positiv. Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Güteraufkommen auf der Schiene hingegen stiegen im Vergleich zum Vorjahr noch leicht an. Daraus abgeleitet liegen im Juli die heimischen Warenexporte um 6% und die Warenimporte um 8,3% über dem Vorjahresniveau. Netto trug der Warenaußenhandel im Monatsdurchschnitt –1 Prozentpunkt zum BIP-Wachstum bei.

Sowohl die ankommenden als auch die abgehenden Passagierflüge am Flughafen Wien, in- und ausländische Google-Suchen nach Unterkünften in Österreich sowie die Nächtigungen ausländischer Gäste in Österreich und die Ausgaben heimischer Reisender im Ausland nahmen im Juli gegenüber dem Vorjahr zu, wobei die Wachstumsdynamik bei den Indikatoren für die Reiseverkehrsimporte etwas stärker ausfiel. Der Wachstumsbeitrag des Reiseverkehrssaldos zum BIP bleibt mit –1,2 Prozentpunkten daher im Juli negativ.

Neben der positiven Entwicklung des Lkw- und Schienengütertransportes stiegen im Juli auch die Google-Mobilitätsindikatoren im Bereich Verkehr ("transit stations") und die Frachtflüge gegenüber dem Vorjahr. Für die Wertschöpfung im Bereich Verkehr (ÖNACE H) wird daher ein Zuwachs von rund 1% gegenüber dem Vorjahresniveau erwartet.

In der Industrie sank die Zahl der arbeitssuchenden Personen weiter und liegt auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage und die kurzfristigen Geschäftserwartungen aus dem WIFO-Konjunkturtest trübten sich allerdings etwas ein. Für den Juli wird das Wachstum der Wertschöpfung im produzierenden Bereich (Primärproduktion, Sachgütererzeugung, Energiewirtschaft, Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung – ÖNACE A bis E) auf rund 3% gegenüber dem Vorjahr geschätzt.

Auch in der Bauwirtschaft (ÖNACE F) verringerte sich die Zahl der arbeitssuchend gemeldeten Personen neuerlich, die Einschätzungen zur aktuellen Lage sowie die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate sind weiterhin deutlich im expansiven Bereich. Für Juli wird mit einem Anstieg der Wertschöpfung im Bauwesen von 1% gegenüber dem Vorjahresmonat gerechnet.

Im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) sind die Einschätzungen zur aktuellen Lage noch günstig, die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich jedoch deutlich verschlechtert. Die Volumina der bargeldlosen Transaktionen in der Gastronomie und Hotellerie zeigen im Juli noch einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der arbeitssuchend gemeldeten Personen ging weiter zurück. Für Juli wird mit einer um 20% höheren Anzahl an Gästenächtigungen in Österreich gegenüber dem Vorjahr gerechnet – gegenüber Juli 2019 (Vorkrisenniveau) wäre das ein Zuwachs von rund 11%. Die Wertschöpfung wird um 8,5% höher als im Vorjahr geschätzt.

Die Wertschöpfung im Handel (ÖNACE G) wird auf Basis der bargeldlosen Umsätze im Einzelhandel auf 0,6% unter dem Vorjahresniveau geschätzt. Für die sonstigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) lassen die weiterhin abnehmende Zahl arbeitssuchender Personen und die Entwicklung in der Industrie eine weiterhin günstige Dynamik erwarten. Die Wertschöpfung wird im Juli voraussichtlich um 4% gegenüber dem Vorjahr steigen. Im Bereich der sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird für die Wertschöpfung auf der Grundlage von bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens und der Google-Mobilität für Handel und Freizeit im Juli mit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,3% gerechnet.

Erläuterungen zur Berechnungsmethode und Datenrevisionen

Mit der WWWI-Berechnung für den Juni 2022 (Kalenderwochen 22 bis 26, veröffentlicht am 14. Juli 2022) wurde das Berechnungssystem zur Erstellung des WWWI vom Vorkrisenvergleich auf einen Vorjahresvergleich umgestellt und die wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Daten künftig in einer ausreißerbereinigten, aber saisonal unbereinigten Form verwendet. Für den Zeitraum Kalenderwochen 1 2020 bis 26 2022 wurden alle WWWI-BIP-Teilaggregate neu berechnet1).

In der aktuellen WWWI-Berechnung wurde die Schnellschätzung der Vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für das II. Quartal 20222), die am 29. Juli 2022 vom WIFO veröffentlicht wurde, berücksichtigt. Dadurch kam es gegenüber der WWWI-Rechnung vom 14. Juli zu einer Revision der Schätzungen für die Kalenderwochen 14 bis 26 2022.



1)  Für Details siehe Baumgartner, J. (2022). Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex – Neue Berechnungsmethode. WWWI im Juni 2022: 22. bis 26. Kalenderwoche 2022. WIFO. https://www.wifo.ac.at/news/woechentlicher_wifo-wirtschaftsindex_neue_berechnungsmethode und die WWWI-Methodenbeschreibung (https://www.wifo.ac.at/themen/konjunktur/wifo-fruehindikator/methoden).
2)  Für Details siehe Bilek-Steindl, S., & Bierbaumer, J. (2022). Wachstumsdynamik ließ im II. Quartal 2022 nach. Schnellschätzung des WIFO. WIFO. https://www.wifo.ac.at/news/wachstumsdynamik_liess_im_ii_quartal_2022_nach.

  

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) einmal im Monat aktualisiert (in der Folgewoche des abgelaufenen Monats) und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

Rückfragen an

Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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