Wöchentlicher WIFO-Wirtschaftsindex

06.12.2022

WWWI November 2022: 44. und 47. Kalenderwoche 2022

Das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahr auf Basis des wöchentlichen Indikators für das BIP (WWWI) wird für November 2022 (Kalenderwochen 44 bis 47, 31. Oktober bis 27. November) auf +2,2% geschätzt (Oktober +0,4%, September +2,1%; revidiert). Aufgrund von Basiseffekten (vierter Lockdown im November/Dezember 2021) stieg der BIP-Zuwachs im Verlauf des November 2022 von +0,3% auf +5,1% gegenüber den Vergleichswochen des Vorjahres.

Information zur Veröffentlichung des WWWI: Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex wird künftig 14-tägig auf der Website des WIFO veröffentlicht.

WWWI für das BIP und seine Teilkomponenten

Im November 2022 zeigt sich aufgrund von Basiseffekten durch den stufenweise verschärften vierten Lockdown in der Gastronomie, Hotellerie und im Unterhaltungs- und Veranstaltungswesen sowie im Einzelhandel im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Kalenderwochen 45 bis 49 2021) für die entsprechenden Kalenderwochen im Jahr 2022 ein zunehmender wöchentlicher BIP-Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

Der wöchentliche BIP-Zuwachs erhöhte sich im November 2022 von +0,3% (Kalenderwoche 44 – noch keine Lockdown-Basiseffekte) auf +0,9%, +2,4% und +5,1% für Kalenderwochen 45 bis 47. Die zunehmenden BIP-Zuwachsraten sind auf die wöchentliche Verschärfung der Maßnahmen im Vorjahr (Lockdown für Ungeimpfte in der Kalenderwoche 45 2021 bis zum Lockdown für alle ab der Kalenderwoche 47 2021 und den damit einhergehenden Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität zurückzuführen. In den ersten beiden Dezemberwochen (Kalenderwochen 48 und 49) wird aufgrund dieser Basiseffekte ebenfalls noch mit einem stärkeren Wachstum gerechnet.

Das inflationsbereinigte Volumen der bargeldlosen Transaktionen als Indikator für die Konsumausgaben der privaten Haushalte zeigt im November aufgrund dieser Basiseffekte sowohl für die Nachfrage nach Gütern (Einzelhandelsumsätze) als auch nach Dienstleistungen einen deutlichen und zunehmenden Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die wöchentliche Veränderung der realen privaten Konsumausgaben gegenüber dem Vorjahr drehte von –4,3% in der Kalenderwoche 44 (noch keine Lockdown-Basiseffekte in der ersten Novemberwoche) auf +8,7% in der Kalenderwoche 47 (letzte Novemberwoche). Im Wochendurchschnitt (Kalenderwochen 44 bis 47) lag der private Konsum damit um 0,8% über dem Vorjahresniveau (Oktober –4,6%, September –1,5%)[1]).

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen wird von der pessimistischen Stimmung im produzierenden Bereich (aktuelle Lagebeurteilung und Erwartungen gemäß WIFO-Konjunkturtest vom November) gedämpft. Im November wird ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 3% erwartet (Oktober –4,1%, September –3,3%).

Die exportgewichtete Wachstumsdynamik der OECD-Handelspartner stabilisierte sich im November. Die Lkw-Fahrleistung auf Österreichs Autobahnen und das Güteraufkommen auf der Schiene gingen im November gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres jedoch zurück und die abgehenden Frachtflüge blieben in der zweiten Monatshälfte unter dem Vorjahresniveau. Dies dämpfte neben der nachlassenden Tourismusnachfrage aus dem Ausland die Entwicklung der Exporte (i. w. S.). Zusammen mit einer negativen Entwicklung der Importe führen diese Faktoren im November zu einem positiven Wachstumsbeitrag der Nettoexporte i. w. S. zum BIP im Ausmaß von voraussichtlich +2,0 Prozentpunkten (September und Oktober jeweils +2½ Prozentpunkte).

Der Zuwachs in der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr im Bereich Verkehr (ÖNACE H) fiel gemäß der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) von Statistik Austria im III. Quartal 2022 mit +1,3% um 1,4 Prozentpunkte niedriger aus als bisher im WWWI geschätzt. Die niedrigere Ausgangsbasis und die schwache Dynamik des gesamten Gütertransportes führen im November zu einem weiteren Rückgang der Wertschöpfung im Verkehrssektor um 3,4% gegenüber dem Vorjahr (Oktober –2,3%, September +0,7%).

Die Wertschöpfung im produzierenden Bereich (ÖNACE A bis E) betrug laut VGR im III. Quartal +1,8% (–2 Prozentpunkte gegenüber dem bisherigen WWWI-Nowcast). Diese ungünstigere Ausgangslage wirkt sich auch auf die geschätzte Wertschöpfung im Oktober und November aus. Die Zahl arbeitssuchender Personen in diesen Bereichen liegt nach wie vor auf einem äußerst niedrigen Niveau. Gegenüber Oktober zeigen die Einschätzungen in der Sachgütererzeugung im WIFO-Konjunkturtest im November eine leichte Verbesserung an. Für November erwartet das WIFO einen leichten Anstieg der Wertschöpfung im produzierenden Bereich von 0,3% gegenüber dem Vorjahr (Oktober –0,3%, September +3,7%).

Gemäß aktueller VGR wuchs die Wertschöpfung in der Bauwirtschaft (ÖNACE F) im III. Quartal um 0,8% (–0,7 Prozentpunkte gegenüber dem bisherigen WWWI-Nowcast). Die nun etwas geringere Ausgangsbasis des Niveaus der Wertschöpfung hat auch Auswirkungen auf den Nowcast der Wertschöpfung im Oktober und November. Die Stimmung der Bauunternehmen hat sich gemäß WIFO-Konjunkturtest im November leicht verschlechtert. Für November wird mit einem Rückgang der Wertschöpfung im Bauwesen um 1,0% gegenüber dem Vorjahr gerechnet (Oktober –0,8%, September +0,1%).

Im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie, ÖNACE I) fiel die Veränderung der Wertschöpfung im III. Quartal laut VGR mit –2,6% besser aus als bisher erwartet (+1,9 Prozentpunkte). Im November wirken zunehmend die Basiseffekte aufgrund des Lockdown 2021 auf die Zuwachsrate. Die Volumina der inflationsbereinigten bargeldlosen Transaktionen in der Gastronomie und Hotellerie zeigen im Monatsverlauf einen markant ansteigenden Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. In der letzten Novemberwoche (Kalenderwoche 47) wird die Wertschöpfung um 23% höher geschätzt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt liegt die Wertschöpfung im Tourismus im November um 5,2% über dem Vorjahresniveau (Oktober –6,0%, September –5,4%)

Für die Wertschöpfung im Handel (ÖNACE G) ergibt sich gemäß VGR für das III. Quartal ein Wachstum von 1,3% (+3,7 Prozentpunkte gegenüber der bisherigen WWWI-Rechnung). Die günstigere Ausgangslage und die Lockdown-Basiseffekte führen im November zu einem deutlichen Zuwachs in der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um +9,6% (Kalenderwoche 47 +23½%; Oktober +3,5%, September +5,1%).

Für die übrigen Marktdienstleistungen (ÖNACE J bis N) wuchs die Wertschöpfung im III. Quartal gemäß aktueller VGR um 2,0% (–1,5 Prozentpunkte gegenüber dem bisherigen WWWI-Nowcast). Für November lassen die vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit und die BIP-Entwicklung noch einen leichten Zuwachs in der Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr erwarten (+0,7%; Oktober +0,3%, September +1,1%). Für die sonstigen persönlichen Dienstleistungen (ÖNACE R bis T) wird auf Grundlage der preisbereinigten bargeldlosen Zahlungen im Bereich des Veranstaltungswesens im November mit einem Wertschöpfungszuwachs von 5,1% gegenüber dem Vorjahr gerechnet (Oktober +1,3%, September +0,1%). Auch hier sind deutliche Basiseffekte aufgrund des Lockdown 2021 zu beobachten.


[1])  Die Berücksichtigung neu veröffentlichter Monats- und Quartalsdaten – vor allem der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für das III. Quartal und einer Revision der Vorquartale 2022 – führte zu einer Revision des WWWI und aller Teilkomponenten. Insbesondere im produzierenden Bereich und den restlichen Marktdienstleistungen wird die Wertschöpfung nun schwächer eingeschätzt, während im Handel eine Aufwärtsrevision vorgenommen wurde.
 

 

Der WWWI befindet sich in ständiger Bearbeitung; er wird laufend überprüft und nach Verfügbarkeit mit neuen und zusätzlichen wöchentlichen Datenreihen erweitert. Der WWWI ist keine offizielle Quartalsschätzung, Prognose o. Ä. des WIFO.
 


Details zum Wöchentlichen WIFO-Wirtschaftsindex finden Sie bitte hier (xlsx).

Der Wöchentliche WIFO-Wirtschaftsindex (WWWI) schätzt die realwirtschaftliche Aktivität der österreichischen Volkswirtschaft auf wöchentlicher und monatlicher Basis. Er verwendet wöchentliche, monatliche und vierteljährliche Zeitreihen, um wöchentliche und monatliche Indikatoren für das reale BIP und 18 BIP-Teilaggregate (Verwendungsseite 8, Produktionsseite 10) der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu schätzen.

Mit der Veröffentlichung für den Juni 2022 wurden die ökonometrischen Modelle für die historischen Zerlegungen und für das "Nowcasting" auf saisonal unbereinigte Zeitreihen umgestellt. Zudem werden nun für die Schätzung der Modelle die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr verwendet.

Die WWWI-Berechnungen werden (derzeit) 14-tägig aktualisiert und auf der Website des WIFO veröffentlicht.

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Mag. Dr. Josef Baumgartner

Forschungsbereiche: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
© Alexander Müller
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